Politische Bildung spielt im schulischen Alltag eine marginale Rolle. Dabei wird Politische Bildung von einer deutlichen Mehrheit der Schweizer Bevölkerung als wichtigsten Faktor für eine stabile Demokratie gesehen. Es braucht jetzt eine politische Bildungsoffensive.

Politische Bildung muss zu interessierten Stimmbürgern führen

Im Gespräch mit Gleichaltrigen höre ich immer wieder, dass man in der Schule nicht viel über Schweizer Politik und unsere Direkte Demokratie mitbekommt. Viele halten es aber für wichtig und hätten sich gerne mit der Politik und den aktuellen Ereignissen in der Schule intensiver auseinandergesetzt. Eine Studie von gfs.bern aus dem Jahre 2014 belegt das. Politische Bildung an den Schulen wird von einer deutlichen Mehrheit der Schweizer Bevölkerung als wichtigsten Faktor für eine stabile Demokratie gesehen.

Im schulischen Alltag spielt die Politische Bildung jedoch leider nur eine marginale Rolle. Meistens werden im Rahmen der Staatskunde die Bundesräte und ihre Departemente vorgestellt, der Gesetzgebungsprozess wird aufgezeigt und der Unterschied zwischen Majorz- und Proporzwahlen erklärt. That’s it. Das ist zu wenig. Das Fach wird in den Schulen also meist in Form von Institutionenkunde vermittelt – was wenig attraktiv daherkommt und zum verstaubten Image der Staatskunde beiträgt. 

Mehr Debatten und Lehrpersonen besser ausbilden 

Der Staat hat ein fundamentales Interesse daran, dass seine Bürgerinnen und Bürger an den Wahlen und Abstimmungen teilnehmen und ihre Meinung äussern. So wird das demokratische System legitimiert und gestärkt. Dabei ist die Schule, neben dem familiären Umfeld, verantwortlich, die Jugendlichen zu mündigen Staatsbürgern zu machen. Gute und wirkungsvolle Politische Bildung hängt von zwei Dingen ab: Der Form und der Person.

Zum einen muss der Unterricht aktueller und debattierfreudiger gestaltet sein. Er muss vielmehr Bezug auf die Lebenswelt der Lernenden nehmen. Inhaltlich können dabei Volksabstimmungen und aktuelle Themen im Zentrum stehen, während in Form von Debatten die Lust an der Politik gefördert werden kann. Dabei müssen auch die sozialen Medien verstärkt ins Spiel gebracht werden.Zudem sollte nicht immer alles benotet und bewertet werden. Um gute Debatten führen zu können, braucht es immer noch das Grundwissen über die Schweizer Politik. Es geht aber vor allem auch um Kompetenzen: Wie argumentiere ich? Wie beschaffe ich mir Informationen? Wie bilde ich meine eigene Meinung und wie vertrete ich sie?

Die vermittelnde Person spielt eine wichtige Rolle. Allzu viel hängt vom Engagement der einzelnen Lehrkräfte ab, was auch die Gefahr einseitiger Beeinflussung mit sich bringt. Gerade deshalb lassen leider manche Lehrkräfte lieber die Finger von der politischen Bildung. Es sei zu heikel. Eltern würden sich über eine allfällige einseitige politische Beeinflussung ihres Nachwuchses beklagen.

Die Lehrpersonen müssen besser geschult und darauf vorbereitet werden. Zudem kann es hilfreich sein, dass Expertinnen und Experten den Unterricht besuchen und so eine Ausgewogenheit und Neutralität erstellt werden kann. 

Ich bin überzeugt, dass bessere politische Bildung in den Schulstuben auch zu interessierteren, aktiveren Stimmbürgern führt.

Es gibt Hoffnung, aber es gibt noch viel zu tun

Es bestreitet kaum jemand öffentlich, dass die Politische Bildung in einem Land wie der Schweiz mit so vielen politischen Beteiligungsmöglichkeiten nicht wichtig ist. Dennoch ist die Politische Bildung im Schulunterricht relativ schlecht verankert. 

Es gibt aber Hoffnung: Die Kantone Tessin und Aargau ändern dies nun mit der Einführung eines eigenen Fachs. Und der neue Lehrplan 21 hat auch erste wichtige Kernpunkte der Politischen Bildung aufgenommen. Es bleibt aber viel zu tun. 

Politische Bildung muss an unseren Schulen mehr Bedeutung und Zeit bekommen – das sind wir den Jungen, unserer Zukunft und unserem einzigartigen politischen System schuldig.

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